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... Wenn man fotografiert, sieht man die Welt mit anderen Augen.

Interview mit Christian Lang
Veröffentlicht am 24.08.2019

──Hallo Chris, stell dich bitte kurz vor!

Lang: Mein Name ist Christian Lang, bin jetzt 30 Jahre alt, und komme aus Südtirol. Ich habe Japanologie in Wien studiert, habe natürlich schon davor einen engeren Bezug zu Japan. Mir hat Japan von Kindheit an sehr gut gefallen und ich habe damals beim Spielen z.B. immer den Samurai dem Cowboy vorgezogen. So habe ich angefangen mich mit Japan auseinanderzusetzen und bin heute noch immer am Lernen. Wobei ich denke, dass ich Japanisch wohl bis ans Ende meines Lebens nicht perfekt beherrschen werde. Mittlerweile kann ich es aber wenigstens schon für meine Arbeit benutzen (lacht).

──Als was arbeitest du momentan?

Lang: Momentan bin ich als freischaffender Übersetzer und Dolmetscher tätig, und arbeite nebenbei Teilzeit sowohl als Verkäufer bei Swarovski als auch in der Oper für Führungen mit Fokus auf Japanisch, Italienisch, Deutsch und Englisch.

──Italienisch, weil du aus Südtirol kommst, nicht?

Lang: Genau, Südtirol liegt in Italien, es wird dort aber auch Deutsch gesprochen. Es ist aber tatsächlich so, dass jedes Mal, wenn ich mich im japanischen Umfeld vorstelle, viele JapanerInnen Südtirol oder Tirol nicht kennen.

──Danke für die Vorstellung. Wir wissen, dass du auch als Eventfotograf tätig bist und Fotografieren deine große Leidenschaft ist, deshalb sind wir jetzt auch ganz gespannt, welche Fotos du mitgebracht hast.

Lang: Das erste Foto ist am Abend beim Donaukanal entstanden. Ich mag Street Photography und wollte damit einen allgemeinen Tag in Wien einfangen. Es repräsentiert die Gemütlichkeit und das Sich-Gehen-lassen, was ich an Wien, an meiner Heimat sozusagen, schätze. Wien ist zwar eine große Stadt, in der man nicht unbedingt jeden kennt, hat aber diese Gemütlichkeit wie am Land.

──Du hast ja ein Jahr lang in Japan gelebt, hat dir diese Gemütlichkeit dort gefehlt?

Lang: Eigentlich nicht, da ich mein Auslandsjahr in Tsukuba gemacht habe. Tsukuba ist eine fürs Studieren gebaute Retortenstadt in Ibaraki, eine Stunde entfernt von Tokyo. Es leben also viele Studierende dort und es war wirklich sehr angenehm. Ich könnte mir nicht vorstellen, lange in einer Großstadt wie Tokyo zu leben.

──Wo wir gerade von Japan reden, die nächsten Fotos sind von Japan nicht?

Lang: Das zweite Foto entstand während einer Reise in Japan mit meinem Vater, als er kurz seine Raucherpause eingelegt hat. Er empfand es als sehr lustig, dass er nur an bestimmten Orten wie solchen Raucherboxen rauchen durfte. Es ist auch deshalb etwas ironisch, da man ja in vielen Restaurants in Japan einfach rauchen kann, aber eben nicht auf den Straßen. Da sieht man irgendwie, dass die Prioritäten in gewissen Kontexten einfach anders gesetzt werden.

Damit komme ich auch zu meinem nächsten Foto, das einen Strommast zeigt. Ich hatte immer den Eindruck, dass die Technologie in Japan sehr fortgeschritten ist. Aber dann gibt es wiederum diese Strommasten, die sehr alt und unsicher wirken. Ich denke aber, dass es mit den vielen Erdbeben zusammenhängt und deshalb nicht unter den Boden gebaut wird.

──Danke! Zum Abschluss möchten wir noch wissen, was der Charme an Fotografie für dich ist.

Lang: Es gibt vieles, was mich an Fotos fasziniert. Einerseits bin ich ein Technik-Geek und finde die Kameras und eben die Technik dahinter ziemlich cool, und andererseits – es ist vielleicht die klassische Antwort – wenn man fotografiert, sieht man die Welt mit anderen Augen. Als ich noch nicht fotografiert habe, sind mir nur Dinge aufgefallen, die mich direkt interessiert haben. Wenn ich jetzt aber durch die Welt gehe, sehe ich überall Bilder und mögliche Kompositionen. Es ist, als ob die ganze Welt eine Galerie wäre. Mit einem Foto fängt man nicht nur einen Moment ein, es lässt sich so vieles daraus schließen und man kann Geschichten damit erzählen. Das ist für mich das Coole an der Fotografie. …Und eben die Technik (lacht).


Christian Lang
freiberuflicher Übersetzer, Dolmetscher und Fotograf

lanchr7@gmail.com | Flickr | Instagram